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11.05.2026 Kategorie: AJA Bericht, ThZBS

Menschenwürde – Nächstenliebe – Zusammenhalt. Wir stehen dazu!

Statement zur Demokratie der Leitenden Geistlichen Niedersachen und Bremen

Wir sind überzeugt.
Die freiheitlich-liberale Demokratie hat es unserem Land drei Generationen ermöglicht, in einer vielfältigen und solidarischen Gesellschaft im Frieden zu leben. Sie hat sich bewährt und bleibt die überzeugendste Form politischen Zusammenlebens. Demokratie sichert Freiheit und Gleichheit, eröffnet Raum für Vielfalt und begrenzt Macht, indem sie diese nur auf Zeit überträgt. Demokratie beruht auf Rechtstaatlichkeit und der damit verbundenen Gewaltenteilung. Sie organisiert politische Entscheidungen durch Mehrheiten, schützt zugleich Minderheiten und trägt Konflikte im Rahmen friedlicher Aushandlungsprozesse aus. Voraussetzung dafür ist die Bereitschaft zum Kompromiss. Als Kirchen in Niedersachsen wollen wir diese demokratische Ordnung stärken. Wir sind überzeugt, dass Begegnung und Dialog möglich sind.


Wir sorgen uns.
Spannungen gehören zum Wesen einer demokratischen Gesellschaft. Ein pluralitätsfähiger demokratischer Rechtsstaat muss unterschiedliche Überzeugungen aushalten und im offenen Diskurs verhandeln. Doch wenn demokratische Standards und grundlegende Werte ausgehöhlt werden, geraten die Fundamente unseres Gemeinwesens in Gefahr. Mit Sorge beobachten wir, wie Wut, Ausgrenzung und Verachtung
den gesellschaftlichen Zusammenhalt untergraben. Stimmen werden lauter – teils auch demokratisch legitimiert –, die autoritär auftreten und demokratische Prinzipien missachten. Sie instrumentalisieren die
Meinungsfreiheit zur Herabwürdigung anderer, beanspruchen für sich, allein zu wissen, was „das Volk“ wolle, und schließen Menschen bewusst aus. Dabei wird ethnische Zugehörigkeit über Staatsbürgerschaft
gestellt. Führende Vertreter der AfD äußern sich verfassungsfeindlich und rechtsextremistisch. Nach unserer Überzeugung ist die AfD für Christinnen und Christen daher nicht wählbar.

Wir setzen uns ein.
Als Christinnen und Christen treten wir entschieden für die Werte ein, von denen Demokratie lebt: Menschenwürde, Nächstenliebe und Zusammenhalt. Demokratie ist auf die aktive Beteiligung ihrer Bürgerinnen und Bürger angewiesen. Sie lebt davon, dass Menschen Verantwortung übernehmen, wählen gehen, sich zur Wahl stellen und sich in Kommunen, Ländern und im Bund engagieren. Wir sind dankbar, dass so viele Menschen auf diese Weise ihre Gaben und ihre Kraft in das Miteinander einbringen. Ohne dieses Engagement verliert Demokratie ihre Lebenskraft. Sie braucht Menschen, die ihr leidenschaftlich und
kritisch zugleich verbunden sind, die sie stärken und weiterentwickeln. Als Kirchen fördern wir daher Begegnungen über Unterschiede hinweg und treten für einen respektvollen Umgang ein – auch gegenüber denen, die anders denken, sprechen oder leben.
Das christliche Menschenbild gründet in der Zuwendung zum Mitmenschen. Das biblische Gebot „Liebe deinen Nächsten wie dich selbst“, welches Jesus gelehrt und gelebt hat, bringt diese Haltung zum Ausdruck.
Es weist über den persönlichen Bereich hinaus und prägt auch das Zusammenleben in einer demokratischen Gesellschaft. Unsere Perspektive ist eine menschenfreundliche Gemeinschaft, in der alle nach demokratischen Regeln zum Gelingen des Ganzen beitragen. So werden Menschenwürde, Nächstenliebe und Zusammenhalt erfahrbar.
Wir glauben, dass es sich lohnt, dafür einzutreten. Unsere Hoffnung auf Jesus Christus gibt uns die Kraft dazu. Dazu stehen wir!


Hannover/Bremen, 5. Mai 2026


Thomas Adomeit, Bischof
Dr. Susanne bei der Wieden, Kirchenpräsidentin
Ralf Meister, Landesbischof
Dr. Christina-Maria Bammel, Landesbischöfin
Dr. Bernd Kuschnerus, Kirchenpräsident
Dr. Oliver Schuegraf, Landesbischof