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16.10.2026 Kategorie: AJA Bericht, AJA Hintergrund, AJA Newsletter, AJA Presseschau, ThZBS

Antisemitismus und Protestantismus

Impulse zur Selbstbetrachtung

Erst kürzlich jährte sich der Terrorangriff der Hamas auf Israel vom 7. Oktober 2023 zum dritten Mal. Offener Hass und Gewalt gegen Jüdinnen und Juden gehören auch in Deutschland wieder zum Alltag. Gleichzeitig verengt sich politisch und medial der Blick auf einen „Antisemitismus der Anderen“, vor allem der Muslim*innen und in der politischen Linken. Verstrickungen der sogenannten Mitte der Gesellschaft – und auch von Christ*innen und den Kirchen – werden seltener reflektiert.

Evangelische Akademien verstehen sich als Orte, an denen unterschiedliche oder entgegengesetzte Interessen, Widersprüche, ungleiche Machtpositionen und plurale Identitäten auf Augenhöhe formuliert und verhandelt werden können. Dieser Anspruch wird bei den komplex verschränkten Themen Nahostkonflikt, Antisemitismus und antimuslimischer Rassismus zu­nehmend schwieriger einzulösen. Das Leid der Zivilbevölkerung im Gazastreifen bewegt viele Menschen. Kritik an der israelischen Kriegsführung ist legitim, doch schlägt sie vielfach in antisemitische Muster um. Es dominieren einseitige Schuldzuweisungen, teils verbunden mit antisemitischen Narrativen, deren Muster sich seit Jahrhunderten in immer neuen Formen wiederholen. Die Verhärtungen in der Auseinanderset­zung lassen viele Menschen ratlos zurück: Die Positionen stehen sich diametral gegenüber und scheinen jedes Gespräch unmöglich zu machen.

Auf der Suche nach Ansatzpunkten für einen konstruktiven Dialog haben wir unsere Broschüre „Antisemitismus und Protestantismus“ aus dem Jahr 2019 erneut gelesen. Wir waren überrascht, wie aktuell sie auch nach sieben Jahren noch wirkt und wie hilfreich sie auch ganz praktisch für die Konzeption von Veranstaltungen in diesem Diskursfeld sein kann.

Hanna Lorenzen, Generalsekretärin der Evangelischen Akademien in Deutschland e. V. (EAD), sagt: „Die Evangelischen Akademien beschäftigen sich schon lange in zahlreichen Projekten und Veranstaltungen mit dem Thema Antisemitismus. Prägend ist dabei stets die Auseinandersetzung mit Selbst- und Fremdbildern. Die Broschüre ‚Antisemitismus und Protestantismus‘ fasst einige wichtige Erkenntnisse zusammen, die weiterhin aktuell bleiben. Mit der Neuauflage möchten wir Evangelische Akademien und andere Akteur*innen ermutigen, vor polarisierten Debatten nicht zurückzuschrecken, sondern sich in ihrer Bildungs- und Diskursarbeit gegen den erstarkenden Antisemitismus zu engagieren.“

Die vorliegende Neuauflage enthält neben einem neuen Vorwort einige behutsame Aktualisierungen sowie Hinweise auf Projekte und Materialien von Evangelischen Akademien. Ausgehend von einem selbstreflexiven Ansatz mit dem Thema Antisemitismus möchte sie eine Diskurskultur befördern, die Verhärtungen aufweicht und Empathie ermöglicht.

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